Palästina:

Die Zeit des englischen Mandates

Referat von Tobias Vock

Während des 1. Weltkrieges, am 2.11.1917, versprach die britische Regierung durch den Außenminister Lord Balfour bei der Schaffung einer jüdischen „nationalen Heimstätte" in Palästina zu helfen. Am 1. Juli 1920 endete dann die britische Militärverwaltung und das Mandatsregime wurde wirksam. Während der Kriegszeit betrug der Jischuv, die jüdische Bevölkerungsgruppe in Palästina, 56.000 und damit 8 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Das vom Völkerbundesrat am 24. Juli 1922 bestätigte Mandatsdokument sah im Unterschied zu den Mandaten für den Irak und Syrien die direkte britische Herrschaft vor. In ihrem Rahmen wurde der Förderung zionistischer Interessen Priorität gegeben. So sollte die Mandatsmacht Bedingungen für die Errichtung der jüdischen Heimstätte schaffen, die jüdische Einwanderung und geschlossene Ansiedlung im Lande fördern, Juden die Annahme der palästinensischen Staatsbürgerschaft erleichtern und Hebräisch neben Englisch und Arabisch als Amtssprache anerkennen.

Das Mandatsdokument enthielt - im Gegensatz zu diesen Zusicherungen an die jüdische Bevölkerung - keine Schutzbestimmungen für politische Rechte der im Lande ansässigen Araber. Das Wort "Araber" kam in dem Dokument nicht einmal vor.

1923 wurde vom ursprünglichen Mandatsgebiet das Emirat Transjordanien abgetrennt. Nach kurzer Zeit zeigte sich dann, das die Briten und die Juden die Balfour-Deklaration unterschiedlich verstanden. Die Araber sahen sich in ihren nationalen Hoffnungen ebenfalls enttäuscht und begannen sich gegen die jüdischen Einwanderer, die hauptsächlich auf Grund der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland ins Land kamen, zu wenden. Der relativ hohe Lebensstandard hatte gleichzeitig eine starke Einwanderung von Arabern aus Nachbarländern zu Folge. Die arabisch-jüdischen Gegensätze verstärkten sich und gleichzeitig wuchs die Unzufriedenheit der arabischen Mehrheit gegenüber der britischen Mandatsmacht, die keine Schritte in Richtung auf die Unabhängigkeit Palästinas unternahm. Schließlich kam es zu einem arabischen Aufstand in Palästina, der am 19. April 1936 mit einem sechsmonatigen politischen Generalstreik begann. Die entstehende breite Bewegung gegen die Mandatsmacht erhielt dann zunehmend antikoloniale Züge. Nach Vermittlung der pro-britischen Regierungen von Ägypten, Irak, Saudi Arabien und Transjordanien brachen am 12. Oktober 1936 die Nationalkomitees, geleitet vom arabischen Hochkomitee, den Generalstreik ab.

Die Britische Regierung setzte daraufhin eine Untersuchungskommission unter Lord Robert Peel ein, die nach umfangreichen Recherchen und Anhörungen arabischer und jüdischer Führer am 7. Juli 1937 ihren Bericht veröffentlichte. Erstmalig enthielt er einen Teilungsvorschlag:

  1. Errichtung eines kleineren jüdischen Staates im Nordwesten
  2. Vereinigung eines größeren arabisch besiedelten Teils, der auch den Negev umfaßte, mit dem Emirat Transjordanien
  3. Verbindung von Jerusalem und Umgebung mit einem bei Jaffa ans Meer reichenden Korridor und Verblieb dieses Territoriums unter britischer Herrschaft.
Der 20. Zionistenkongreß im August 1937 und auch das Arabische Hochkomitee lehnten diesen Plan allerdings ab. Die arabischen Freischärler und die Feldkommandos der Haganah griffen im Sommer 1937 erneut zu den Waffen. Im September 1937 verboten die britischen Mandatsbehörden das Arabische Hochkomitee und verhafteten oder deportierten die meisten politischen Führer der Araber.

Mit einer großangelegten Offensive konnten die britischen Truppen im Herbst 1938 ihre Kontrolle über Palästina weitgehend wiederherstellen. Bis zum Sommer 1939 wurden dann nur noch einzelne Aktionen von arabischen Freischärlern gemeldet. Nach einem vergeblichen Versuch im Februar und März 1939 in London, eine Übereinkunft zwischen den arabischen Staaten und der Jewish Agency herbeizuführen, formulierte die Regierung ihre Palästinapolitik in einem Weißbuch, das am 17. Mai 1939 veröffentlicht wurde. In diesem Buch wurde daran erinnert und in feierlicher Form erklärt, daß es niemals Absicht der Mandatspolitik gewesen sei, "daß Palästina gegen den Willen der arabischen Bevölkerung des Landes in einen jüdischen Staat verwandelt wird". Nach einer Übergangsperiode von 10 Jahren wollte Großbritannien Palästina mit einer gemeinsamen Regierung von Arabern und Juden in die Unabhängigkeit entlassen. Es sollte wirtschaftlich und militärisch weiter durch Verträge mit Großbritannien verbunden bleiben. In den nächsten fünf Jahren sollte insgesamt 75.000 Juden die Einwanderung ermöglicht werden. Danach würde keine weitere jüdische Einwanderung ohne die Erlaubnis der Araber Palästinas erlaubt werden. Dem britischen Hochkommisar wurde außerdem die Vollmacht erteilt, weitere jüdische Landkäufe in bestimmten Zonen zu verbieten, in anderen stark einzuschränken.

Trotz ihrer Enttäuschung über die britische Politik unterstützten die palästinensischen Juden im 2. Weltkrieg die britischen Kriegsanstrengungen. Gleichzeitig organisierten sie aber auch die illegale Einwanderung von Juden nach Palästina. Als dann auch nach Kriegsende die Einwanderung nicht freigegeben wurde, richtete sich der bewaffnete Kampf der jüdischen Organisationen gegen die Mandatsmacht, die daraufhin das Palästinaproblem 1947 an die Vereinten Nationen übergab.

Nach der Anhörung von Vertretern der Jewish Agency und des Arabischen Hochkomitees beschloß die UNO-Vollversammlung am 15. Mai 1947 einen 11-Staaten-Sonderausschuß einzusetzen, das United Nations Special Committee on Palestine (UNSCOP). Es sollte alle Seiten des Problems untersuchen und den Vereinten Nationen bis zum 1. September Bericht erstatten. Im Bericht schlug die Mehrheit der Mitglieder des UNO-Sonderausschusses, d. h. Guatemala, Kanada, die Niederlande, Peru, Schweden, die Tschechoslowakei und Uruguay, vor, Palästina in einen arabischen und einen jüdischen Staat zu teilen und Jerusalem zu internationalisieren. Die Vertreter Indiens, Irans und Jugoslawiens dagegen befürworteten einen palästinensischen binationalen Förderativstaat. Nach langen Erörterungen in verschiedenen UNO-Gremien wurde schließlich am 29. November 1947 der Vollversammlung die Resolution Nr. 181 (II) zur Abstimmung übergeben. 33 Staaten stimmten für für die Resolution, darunter die UdSSR, die USA und Frankreich, 13 stimmten dagegen, darunter die sechs arabischen Mitgliederstaaten, 10 enthielten sich der Stimme, darunter Großbritannien und China. Die Resolution hatte damit die Zweidrittelmehrheit erhalten und galt als angenommen.

Der "Teilungsplan mit Wirtschaftsunion" enthielt unter anderem folgende Punkte:

  1. Das Mandat für Palästina sollte sobald wie möglich beendet werden, jedoch auf keinen Fall später als am 1. August 1948.
  2. Die bewaffneten Kräfte der Mandatsmacht sollten nach und nach von Palästina abzogen und der Abzug sobald wie möglich abgeschlossen werden, jedoch auf keinen Fall später als am 1. August 1948.
Der arabische Staat sollte ein Gebiet von 11.100 km² (43% des Territoriums) umfassen. In diesem Gebiet wohnten zur Zeit der Teilung 725.000 Araber und 10,000 Juden. Für den jüdischen Staat war ein Gebiet von 14.100 km² (56% des Territoriums) vorgesehen, in dem 498.000 Juden und 407.000 Araber lebten. Das internationale Gebiet von Jerusalem mit 105.000 Arabern und 100.000 Juden nahm 1% der Fläche Palästinas ein.

Die Resolution sah für beide Seiten demokratische Verfassungen vor, die u. a. das allgemeine Wahlrecht, die Respektierung der Menschen- und Bürgerrechte, den Schutz der heiligen Stätten aller in Palästina ansässigen Religionsgemeinschaften sowie vor allem den Schutz und die Freiheit der nationalen und religiösen Minderheiten in dem jüdischen bzw. arabischen Staat enthalten sollte.

Am 14. Mai 1948 um 16 Uhr erklärte David Ben Gurion :

"Gleich allen anderen Völkern ist es das natürliche Recht des jüdischen Volkes, seine Geschicke unter eigener Hoheit selbst zu bestimmen. Demzufolge haben wir, die Mitglieder des Volksrates, als Vertreter der jüdischen Bevölkerung und der zionistischen Organisation, heute, am letzten Tage des britischen Mandats über Palästina, uns hier eingefunden und verkünden hiermit kraft unseres natürlichen und historischen Rechtes und aufgrund des Beschlusses der UNO-Vollversammlung die Errichtung eines jüdischen Staates im Lande Israel - des Staates Israel." Damit endete das englische Mandat und Israel war gegründet.

In der Abhängigkeitserklärung wurden Freiheit, Gleichheit und Frieden als Grundprinzipien des neuen Staates aufgezählt. Die arabischen Bürger Israels wurden dazu aufgefordert, "den Frieden zu wahren und sich aufgrund voller bürgerlicher Gleichberechtigung in allen provisorischen und permanenten Organen des Staates an seinem Aufbau zu beteiligen." Die palästinensischen Araber lehnten diese Resolution allerdings ab und betrachteten diese nicht als bindend. Ein sofort einsetzender Widerstand weitete sich zum Bürgerkrieg aus. Der Nahostkonflikt entstand und ist bis heute nicht vollständig gelöst.

Zusammenfassend erkennt man, daß das heutige Palästinaproblem seinen Ursprung im ungeschickten Mandatsdokument hat. Das Auslassen von Zusicherungen und klaren Regelungen für die Araber verbunden mit dem Befölkerungsdruck, der durch die Einwanderung der verfolgten Juden entstand, führte zwangsläufig zu massiven Konflikten zwischen Juden und Arabern. Diese Konflikte verstärkten sich noch durch den jüdischen Untergrundkampf gegen die Engländer und das Ende des Mandats, da nun die Juden einen Jüdischen Staat in einem Gebiet gründeten, das ursprünglich von nur 8% Juden bevölkert war. Überträge man dies auf Deutschland, so bedeutet das z.B., daß in 28 Jahren Deutschland nicht mehr deutsch wäre, sondern in der Hand von Ausländern, denn deren Anteil in Deutschland ist vergleichbar mit dem jüdischen Anteil 1920 in Palästina, wo 1948 der jüdische Staat gegründet wurde.

Palästina:

Die Zeit des englischen Mandates

Referat von Tobias Vock

Trotz Enttäuschung über britische Politik unterstützten palästinensischen Juden im 2. Weltkrieg die britischen Kriegsanstrengungen.

Gleichzeitig organisierten illegale Einwanderung von Juden nach Palästina.

Als auch nach Kriegsende Einwanderung nicht freigegeben wurde -->bewaffnete Kampf der jüdischen Organisationen gegen die Mandatsmacht

daraufhin Palästinaproblem 1947 an die Vereinten Nationen.

beschloß die UNO-Vollversammlung am 15. Mai 1947 einen 11-Staaten-Sonderausschuß einzusetzen

Es sollte alle Seiten des Problems untersuchen und den Vereinten Nationen bis zum 1. September Bericht erstatten.

Im Bericht schlug die Mehrheit der Mitglieder des UNO-Sonderausschusses vor, Palästina in einen arabischen und einen jüdischen Staat zu teilen und Jerusalem zu internationalisieren.

Nach langen Erörterungen in verschiedenen UNO-Gremien wurde schließlich am 29. November 1947 der Vollversammlung die Resolution Nr. 181 (II) zur Abstimmung übergeben. 33 Staaten stimmten für für die Resolution, darunter die UdSSR, die USA und Frankreich, 13 stimmten dagegen, darunter die sechs arabischen Mitgliederstaaten, 10 enthielten sich der Stimme, darunter Großbritannien und China. Die Resolution hatte damit die Zweidrittelmehrheit erhalten und galt als angenommen.

Der "Teilungsplan mit Wirtschaftsunion" enthielt unter anderem folgende Punkte:

  1. Das Mandat für Palästina sollte sobald wie möglich beendet werden, jedoch auf keinen Fall später als am 1. August 1948.
  2. Die bewaffneten Kräfte der Mandatsmacht sollten nach und nach von Palästina abzogen und der Abzug sobald wie möglich abgeschlossen werden, jedoch auf keinen Fall später als am 1. August 1948.
Der arabische Staat sollte ein Gebiet von 11.100 km² (43% des Territoriums) umfassen. In diesem Gebiet wohnten zur Zeit der Teilung 725.000 Araber und 10,000 Juden. Für den jüdischen Staat war ein Gebiet von 14.100 km² (56% des Territoriums) vorgesehen, in dem 498.000 Juden und 407.000 Araber lebten. Das internationale Gebiet von Jerusalem mit 105.000 Arabern und 100.000 Juden nahm 1% der Fläche Palästinas ein.

Die Resolution sah für beide Seiten demokratische Verfassungen vor, die u. a. das allgemeine Wahlrecht, die Respektierung der Menschen- und Bürgerrechte, den Schutz der heiligen Stätten aller in Palästina ansässigen Religionsgemeinschaften sowie vor allem den Schutz und die Freiheit der nationalen und religiösen Minderheiten in dem jüdischen bzw. arabischen Staat enthalten sollte.

Am 14. Mai 1948 um 16 Uhr erklärte David Ben Gurion die Gründung von Israel:

In der Abhängigkeitserklärung wurden Freiheit, Gleichheit und Frieden als Grundprinzipien des neuen Staates aufgezählt. Die arabischen Bürger Israels wurden dazu aufgefordert, "den Frieden zu wahren und sich aufgrund voller bürgerlicher Gleichberechtigung in allen provisorischen und permanenten Organen des Staates an seinem Aufbau zu beteiligen." Die palästinensischen Araber lehnten diese Resolution allerdings ab und betrachteten diese nicht als bindend. Ein sofort einsetzender Widerstand weitete sich zum Bürgerkrieg aus. Der Nahostkonflikt entstand und ist bis heute nicht vollständig gelöst.

Zusammenfassend erkennt man, daß das heutige Palästinaproblem seinen Ursprung im ungeschickten Mandatsdokument hat. Das Auslassen von Zusicherungen und klaren Regelungen für die Araber verbunden mit dem Befölkerungsdruck, der durch die Einwanderung der verfolgten Juden entstand, führte zwangsläufig zu massiven Konflikten zwischen Juden und Arabern. Diese Konflikte verstärkten sich noch durch den jüdischen Untergrundkampf gegen die Engländer und das Ende des Mandats, da nun die Juden einen Jüdischen Staat in einem Gebiet gründeten, das ursprünglich von nur 8% Juden bevölkert war. Überträge man dies auf Deutschland, so bedeutet das z.B., daß in 28 Jahren Deutschland nicht mehr deutsch wäre, sondern in der Hand von Ausländern, denn deren Anteil in Deutschland ist vergleichbar mit dem jüdischen Anteil 1920 in Palästina, wo 1948 der jüdische Staat gegründet wurde.