REFERAT

von Tobias Vock

Die „terms of trade"

Die weltwirtschaftliche Situation hat sich für viele Entwicklungsländer in den 80er Jahren verschlechtert. Die Preise für viele agrarische Rohstoffe sanken, und die Preise für eingeführte Industriewaren aus Ländern des Nordens stiegen.

Dieses Verhältnis zwischen den Preisen von Exportwaren (meist Rohstoffe) und Importwaren (meist Fertigwaren), nennt man „terms of trade".

Am Beispiel des Kaffes lassen sich diese „fallenden terms of trade" verdeutlichen. Während ein Kaffee-exportierendes Entwicklungsland 1980 noch 12910 Säcke Kaffee (zu je 60 kg) exportieren mußte, um eine Schweizer Lokomotive zu erhalten, waren es 1990, zehn Jahre später, für eine ähnliche Lokomotive schon 45800 Säcke, also mehr als die dreieinhalbfache Menge.

Diese Verschlechterung der terms of trade kommt sowohl von dem Verfall der Kaffeepreise (1980: 3,3 $/kg; 1990: 1,6 $/kg), als auch durch einen deutlichen Anstieg der Kosten für die Schweizer Lokomotive. Außerdem haben sich die Währungsparitäten vieler europäischer Währungen zuungunsten des Dollars verschoben, so daß auch von daher die in Dollar bezahlenden Entwicklungsländer benachteiligt sind (das heißt, der Dollar wurde im Vergleich mit anderen Währungen billiger. Ein Dollar kostete zum Beispiel nicht mehr vier DM, sondern nur noch 1,6 DM. Dies bedeutet also eine Verschlechterung der Verhältnisse für die Entwicklungsländer. Beispiel: Ein Entwicklungsland bekommt für einen Sack Kaffee 5 Dollar, eine Lokomotive kostet 100000 DM /4 = 25000$ = 5000 Sack Kaffee. Beides ändert sich nicht, für einen Sack Kaffee gibt es weiter 5$ und die Lokomotive kostet immer noch 100000 DM. Nur das Verhältnis DM / $ hat sich geändert. Es ergibt sich: 100000 DM /1,6 = 62500 = 12500 Sack Kaffee (Zahlen willkürlich gewählt)).

Die auf Schaubild dargestellte Verschlechterung des Verhältnisses zwischen Exporterlösen und Importpreisen („Waren-terms of trade" oder „Commodity terms of trade") hat gerade in den 80er Jahren viele Entwicklungsländer negativ betroffen. Laut der Weltbank hat sich die „Waren terms of trade" zwar langfristig (von 1965 bis 1990) verschlechtert, trotzdem hat man errechnet, daß die Entwicklungsländer ihr Exportvolumen deutlich erhöhen konnten und somit trotz der Verschlechterung der terms of trade mehr Güter importieren können als früher. Negative terms of trade müssen also nicht unbedingt zum ökonomischen Niedergang führen, wenn gleichzeitig eine Verbesserung der Produktivität und eine Diversifizierung der Exportgüter erreicht werden.

Tausche Kaffee gegen Lokomotive

Die Rohstoffpreise

Die Rohstoffpreise sind in den letzten Jahren (1980 bis 1990) weitgehend gefallen.. Auch sind durch extrem schwankende Weltmarktpreise die Einnahmen aus dem Rohstoffexport kaum vorhersehbar und einplanbar.

Besonders das Jahrzehnt von 1980 bis 1990 war besonders stark von schwankenden und fallenden Rohstoffpreisen bestimmt. Bei wichtigen agrarischen Rohstoffen (z.B. Kaffee, Kakao, Baumwolle oder Zucker) sind Schwankungen von 100%-300% keine Seltenheit. Der wichtigste Grund dafür ist, daß von den meisten Rohstoffen schon genug auf dem Markt vorhanden ist, und bei einer besseren Ernte sofort ein Überangebot und somit ein Preisverfall entsteht.

Laut Berechnungen der Weltbank sind die Rohstoffpreise (ohne Erdöl) von 1980 bis 1990 um ca. 40% gesunken. Damit haben wir den tiefsten Stand nach dem zweiten Weltkrieg.

Um dies zu verhindern versucht man zum Beispiel sogenannte „Rohstoffabkommen" zu schließen. Das „Kaffeeabkommen" (seit 1989 faktisch außer Kraft; Neuverhandlungen seit Mitte 1992 im Gange) ist (oder war) ein solcher Versuch von 51 Produzenten- und 21 Verbraucherländern, durch gemeinsame Vereinbarung stabile Kaffeepreise sicherzustellen. Dieses Abkommen legte eine gewisse Mengenquote für den Kaffeeexport fest. Die Kaffeeproduzierenden Länder einigten sich, nur noch soviel zu exportieren, wie die Mengenquote zuließ. Wenn die Kaffeeernte zu hoch ausfiel, sollte der Überschuß gelagert und später - immer noch im Rahmen der Exportkontingente - verkauft werden. Mit der Zeit sollte dann die Produktionsmenge der Mengenquote angepaßt werden. Die Industrieländer verpflichteten sich Kaffee nur noch „offiziell" zu ordern, das heißt, nur noch Kaffee zu kaufen, der über diese Exportquoten vermarktet wurde und ein entsprechendes „Zeugnis" enthielt.

Doch durch das Scheitern das Kaffeeabkommens (1989) werden die Grenzen dieses Modells sichtbar. Alle beteiligten Länder müssen sich strickt an die Abmachungen halten (in Wirklichkeit besteht ein nicht unerheblicher grauer Markt außerhalb der vereinbarten Exportkontingente), außerdem können die Preise, bei einem durch Überangebot verursachten Preisverfall, nur begrenzt stabilisiert werden.

Ein anderer Versuch ist das „Modell Exporterlösstabilisierung". Bei diesem Abkommen der EG mit 69 Staaten Afrikas, der Karibik und des Pazifiks, wird nicht versucht die Rohstoffpreise gleichzuhalten, sondern die Erlöse der Entwicklungsländer aus den Rohstoffexporten sollen gleichgehalten werden. Wenn die Erlöse in einem Land unter den Durchschnitt der letzten vier Jahre sinken, erhält dieses eine Ausgleichszahlung, die sich an diesem Defizit orientiert.

Diese Länder müssen die Ausgleichszahlungen, die sie erhalten, zwar zurückzahlen, aber es fallen keine Zinsen an. Man kann diese Ausgleichszahlungen also als zinslose Darlehen ansehen. Nur die ärmsten Länder müssen die Zahlungen nicht zurückerstatten.

Bei diesem Modell stellt sich allerdings auch die Frage, ob es für die Entwicklungsländer sinnvoll ist und ob sich daraus Vorteile für sie ergeben. Man kann die Ausgleichszahlungen nämlich auch als „Subvention teurer europäischer Fertigprodukte" ansehen. Denn durch die Zahlungen werden die Länder im Prinzip verpflichtet, ihre Importwaren in der EG, von der die Zahlungen stammen, und nicht in anderen Ländern, wo sie oft viel billiger sind, zu kaufen. Außerdem sind die Entwicklungsländer gezwungen, da sie die gezahlten Beträge zurückerstatten müssen, möglichst viel zu verkaufen. Da jedes Land daran interessiert ist, viel zu verkaufen, um viel Geld zu erhalten, wird versucht die Waren möglichst zu niedrigeren Preisen als die „Konkurrenz" zu verkaufen. Dadurch sinken die Preise natürlich erheblich.

Quellen: Atlas der Weltentwicklungen / Peter Hammer Verlag ISBN 3-87294-490-8